Fernab der Digitalisierung - wo gehts denn hier zum Shopping-Erlebnis?

 Wie entwickelt sich der stationäre Handel in den Innenstädten?

Wie kann der lokale Einzelhandel überleben? Wie kann man es schaffen, die Fußgängerzonen in den Innenstädten wieder zu beleben? Dieses Thema beschäftigt nicht nur mich. Und genau aus diesem Grunde schreibe ich in diesen Artikel, wie es nicht geht.

 Eine Warnung gleich vorweg: dieses ist ein sehr persönlicher Bericht. Aber: er entspricht zu 100% der Wahrheit. 

Ich weiß eigentlich auch nicht, was mich geritten hat an einem Samstag Nachmittag in die Münchner Innenstadt zu gehen. Vielleicht die Neugierde auf ein Experiment? Untertitel: die Suche nach dem Erlebnis Shoppen!

Ich starte in einem großen deutschen, pardon: österreichischem Kaufhaus mit angegliedertem Sporthaus. Klar ist: Erlebnis Outdoor sieht definitiv anders aus. Aber vielleicht werde ich ja trotzdem fündig? Auf der Suche nach einer spezielle Hose der Marke Icebreaker. Die Verkäuferin erklärt mir wortreich, dass sie diese schon kenne, aber der Einkauf hat entschieden, dass ... Ich breche hier einmal ab.

Als nächstes: ein großes deutsches Sporthaus (ja, dieses Mal wirklich deutsch). Beim Betreten des Ladens beschleicht mich mal wieder das Gefühl: hier möchtest Du eigentlich gar nichts kaufen. Hat sich hier irgendjemand auch nur ansatzweise mit Konsumpsychologie beschäftigt? Ich beginne meine Odysee: Icebreaker Hosen - entweder in der zweiten oder dritten Etage. In der dritten Etage: 'Wissen Sie, ich war gerade im Urlaub, und die räumen hier immer um. Schauen Sie doch einmal in der zweiten Etage.' In der zweiten Etage frage ich an der Kasse nach: 'Immer geradeaus und dann rechts an der Wand.' Was jetzt kommt, ist kein Witz, sondern bittere Wahrheit: genau an dieser Wand finde ich keine Hosen, sondern ... Eispickel. Okay, sicher kennt auch nicht jeder der Leser die Marke Icebreaker, aber ich befinde mich im sogenannten Sportfachhandel. Und bin einfach nur fassungslos!

Wie endet dieser Nachmittag? Indem ich mich wirklich noch auf den etwas längeren Weg in den Laden 'für neue Horizonte' begebe. In eine Umgebung, in der ich das Erlebnis Outdoor spüre, kompetente Experten finde (die vieles aus der eigenen Praxis kennen) und mal wieder mehr kaufe, als ich eigentlich geplant habe.

Ich bin davon überzeugt, dass der E-Commerce weiter wächst, aber auch Innenstadt-Konzepte mit digitalen Konzepten können Teil der Zukunft sein. Die Läden in den Innenstädten müssen sich nur (leider) ebenso wie die Kollegen im E-Commerce an den Selektionskriterien des Kunden messen lassen. Und eines der zentralen ist: Relevanz. Relevanz bedeutet Wert, bedeutet Mehrwert! Und solange diese Mehrwerte im stationären Einzelhandel nicht ausgespielt werden, hat dieser aufgrund fehlender Relevanz keine Überlebenschance. Und im Auge des Kunden auch keine Überlebensberechtigung.