E-Grocery - das nächste große Ding?

 E-Grocery am Tipping Point?

Lebensmittel und Einrichtung - diese Branchen werden als die zwei nächsten großen Bereiche der Digitalisierung gesehen. Als erstes konzentriere ich mich heute auf die Lebensmittelbranche. 

Ich starte mit drei Thesen:

  1. Die Geschwindigkeit, mit der E-Grocery wächst, wird von vielen Marktteilnehmern unterschätzt. 
  2. Wie in anderen Industrien auch: Firmen aus fremden Branchen kommen als neue Konkurrenten in den Lebensmittelbereich.
  3. Es geht um Daten. Führende E-Commerce-Plattformen werden auch im Lebensmittelbereich eine starke Position einnehmen. 

Die Lebensmittelbranche wächst rasant. Viele Anzeichen belegen, dass der Tipping-Point erreicht ist - die Dynamik nimmt stark zu. Während der stationäre Handel vielleicht um 3% wächst, sieht man im Online-Bereich Steigerungen von 30%-50%.

In Deutschland hat die Online-Distribution zurzeit nur einen Marktanteil von 1-2%, in Korea liegt dieser Anteil inzwischen bei 17%. Und auch die Entscheidung von Lidl, sich erst einmal wieder mehr auf die Läden zu konzentrieren, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass andere sehr aktiv sind: Rewe, Edeka, Real - sie alle tätigen große Investitionen, um ihren Teil des Kuchens zu bekommen. 

Wie aufmerksam das Thema auch an den Börsen gesehen wird, zeigt folgendes Beispiel: Die Bekanntgabe von Amazon, die Supermarkt-Kette Whole Foods mit über 400 Läden zu übernehmen, setzte die Aktienwerte der Lebensmittelhändler international stark unter Druck. Man kann es auch so sehen: wenn Amazon kräftig in einem Bereich investiert, sieht das Team um Jeff Bezos dort ein großes Potential. Und das führt zu einer Verschärfung des Wettbewerbs.

Wird Amazon auch erfolgreich im Bereich Lebensmittelhandel sein? Vieles spricht dafür:

  • Das Unternehmen hat das notwendige Kapital zur Investition.
  • Mit der Akquisition von Whole Foods verfügt Amazon über eine exzellente Basis für eine regionale Logistik in den USA, Kanada und Großbritannien. Zudem wird schnell weiteres Wissen aufgebaut.
  • Amazon hat Daten und kann so weiter extrem kundenorientierte Lösungen entwickeln. Hier sind sie weit führend vor anderen.

Ich sehe Amazon als starken Player. Das Spiel ist aber noch nicht entschieden. Frische Lebensmittel bringen eine große Komplexität und die letzte Meile gewinnt an Bedeutung. Ich bin überzeugt davon, dass jetzt die Zeit ist, um sich in Position zu bringen, um zu lernen, um sich vorzubereiten.

Als positives Beispiel in Deutschland sehe ich hier die Supermarktkette Feneberg, ein innovatives Familienunternehmen mit 70 Standorten in Süddeutschland. Die Geschäftsführung hat vor einigen Monaten dazu entschieden, Amazon Prime Now als Plattform zu nutzen. Und das, obwohl Feneberg bereits im Online-Vertrieb aktiv ist. Die Begründung: Sie wollen und müssen das Geschäft schneller und besser verstehen als sie es mit ihrer eigenen Plattform können. Dieser Ansatz ist mehr als eine strategische Entscheidung. Er spiegelt eine Kultur und eine andere Denke wieder. Und mit dieser Denke hat Feneberg bereits jetzt schon einige Mitbewerber überholt.