Was hat Marmelade mit der Kaufentscheidung Ihrer Kunden zu tun?

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Stellen Sie sich die folgende Situation vor: Sie gehen durch einen Supermarkt und stoppen an einem Promotion-Tisch mit ganz vielen leckeren Marmeladen eines neuen Anbieters. Sie schauen auf die große Anzahl von Geschmacksrichtungen … und was passiert? Sie können sich nicht entscheiden und gehen weiter.

Das Experiment

Sheena Iyengar und Mark Lepper führten im Jahr 2000 ein solches Experiment durch: In mehreren Supermärkten wurden Kunden aufgefordert, Marmeladen zu testen und anschließend, hoffentlich, zu kaufen. Getestet wurde im Test A mit 6 Varianten, im Test B mit 24 Varianten. Wie sah das Ergebnis aus?

 CLIENt MIDN Der Marmeladeversuch - Paradox of Choice

Zu große Auswahl reduziert die Kauflust

Das Experiment zeigt klar: Eine große Auswahl ist für Kunden attraktiv. Sie führt aber zur Überforderung und Reduzierung der Kauflust. Anstelle einer falschen Entscheidung wird lieber keine getroffen wird. Die große Auswahl wird zum Umsatzkiller.

Lösungen aus der Praxis

Was können Sie jetzt unternehmen, um mit Ihrem Web-Shop nicht in die Falle dieses Wahlparadoxon zu laufen? Hier einige erprobte Wege mit Beispielen aus der Praxis.

1. Angebot eingrenzen
Geben Sie dem Kunden die Möglichkeit, das Angebot einzugrenzen. Hier helfen Produktkategorien, Selektionskriterien oder Filter, die dem Kunden schnell eine überschaubare Anzahl relevanter Produkte geben. Wichtig: Testen Sie Ihre Kriterien in Bezug auf die Relevanz für den Kunden. Was ist den Kunden wichtig für die Entscheidungsfindung. Der Preis wird nur immer dann wichtiger, wenn andere Kriterien ihn nicht überzeugen.

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2. Angebot übersichtlicher darstellen, Unterschiede zeigen
Ihr Kunde möchte schnell sehen, welches Angebot ihm welche Vorteile bietet oder wo die Unterschiede zwischen den Angeboten sind. Folgende Ansätze helfen hier:

  • Produktinformationen konsequent nach einem Raster aufbereiten und darstellen. Es verunsichert einen Kunden, wenn zum Beispiel bei einem Produkt gewisse Leistungen aufgeführt werden, diese beim nächsten dagegen fehlen. Als Kunde frage ich mich: „Ist hier dieses Feature nicht vorhanden oder ist es einfach nur nicht aufgelistet?” Jede Verunsicherung kostet Conversions.

  • Produktvergleiche anbieten und somit dem Kunden die Möglichkeit der direkten Gegenüberstellung bei vorausgewählten Produkten zu geben. Bei wenigen Produkte bietet sich an, die Features eines Produktes direkt in einer Tabelle gegenüberzustellen.

    Hier ein Beispiel für einen Vergleich bei einem solch simplen Produkt wie Farbe. Vielleicht etwas umfangreich, als Laie weiss ich aber sofort, was mich erwartet.

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3. Bestimmte Produkte hervorheben
Helfen Sie dem Kunden bei der Auswahl, indem Sie bestimmte Produkte hervorheben. Dieses können zum Beispiel die 3 Top-Seller sein, die Produkte mit der besten Bewertung oder aber die Produktempfehlung in Bezug auf unterschiedliche Kriterien. Gerade diese Art des Hervorheben ist extrem wirkungsvoll.

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4. Angebot personalisieren
Personalisierung ist sicher die beste Entscheidungshilfe für den Kunden. Wenn Sie den Kunden und/oder sein Verhalten kennen, können Sie gezielt passenden Produkte ausspielen und so die Conversionrate richtig steigern!

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Fazit

Der User möchte auf eine große Auswahl zurückgreifen - zuviel Auswahl überfordert aber und führt nicht zum Kauf. Helfen Sie ihm also, um die Conversion zu sichern. Und auch der Start mit nur einem Punkt ist schon ein Gewinn fürs Unternehmen!

ROI der Konsum-Psychologie

 seminar workshop konsum-psychologie

80 % unserer Entscheidungen werden unbewusst getroffen. Auch wenn wir es nicht wahr haben wollen, ist dieses ein Fakt. Auch im E-Commerce. Das bedeutet: wenn Sie Ihre Website-Besucher nicht emotional erreichen, ist der ROI des SEM-Investments fraglich. Und wenn es unklar ist, wie Sie die Besucher erreichen, erfolgt die Optimierung häufig in der Rille.

Was meine ich mit Optimierung in der Rille? Sie kennen es sicher: Sie durchleuchten Ihre Analytics-Daten und schauen auf die Ergebnisse des A/B-Tests. Die Frage, die dann meist gestellt wird: 'Was sollen wir denn jetzt an der Seite verändern, um eine bessere Conversion zu erzielen?' Und so werden kleine Änderungen vorgenommen, wieder Tests aufgesetzt, hoffentlich kleine Verbesserungen gesehen und der Prozess beginnt von vorne. Statt die grundsätzliche Fragen zu stellen, werden häufig Diskussionen über Details geführt. Das ist, was ich Optimieren in der Rille nenne. Recht hoher Aufwand für geringe Veränderungen.

Die Frage muss ganz anders lauten, um die Conversion wirklich voranzubringen. Nämlich: 'Wie ticken meine Kunden?' Und: 'Was müssen wir ändern, um unsere Kunden zum Kauf zu motivieren und um so eine bessere Conversion zu erzielen?' Ich stelle damit Analytics-Daten gar nicht in Frage. Ich ergänze aber das Was (Analytics-Daten) um das Warum. 'Warum reagiert der User so und wie erreichen wir ihn besser?'  

Und durch das Stellen dieser Frage sind wir bei der Konsum-Psychologie. Wie gesagt: 80 % unserer Entscheidungen werden unbewusst getroffen. Mit mehr Wissen über unser Gehirn und die emotionalen Strukturen, über Konsum-Psychologie und Neuromarketing können Sie viel gezielter optimieren und Ihre User stärker motivieren.  So sparen Sie viele Stunden in den unterschiedlichsten Abteilungen ein. Also ein besserer ROI, weniger Aufwand und nachhaltigeres Wachstum!

 

PS. CLIENT MIND bietet das Thema Konsum-Psychologie zur Website-Optimierung auch als offenes Seminar an. 

E-Mail-Marketing: wie viele Abonnenten haben Sie noch?

 summer academy e-mail-marketing

Die Tage vor dem 25. Mai, dem Inkrafttreten der DSGVO, waren Mailbox-füllend. Ich habe sie nicht gezählt, all die Anbieter, die mich, mehr schlecht als recht und meist ziemlich einfallslos, davon überzeugen wollten, dass ihr Newsletter auch in Zukunft ganz wichtig für mich sei. Und ich habe so reagiert wie auch die meisten meiner Freunde und Bekannten: schätzungsweise 90% dieser Mails wurden komplett gelöscht. Und damit konnte ich meinen E-Mail-Newsletter-Eingang innerhalb weniger Tage gewaltig bereinigen.

Wie viel Prozent Ihrer Abonnenten haben Sie verloren? Wenn ich mit Unternehmen spreche, kommen ganz unterschiedliche Werte. 70%, 50%... Was aber bedeutet diese Reduzierung für die Unternehmen?

  • Die Ex-Abonnenten fanden den Newsletter weder spannend noch relevant. Bei dieser Gruppe ist das jeweilige Unternehmen höchstwahrscheinlich nicht mehr im relevant Set, wenn es zu Kaufentscheidungen kommt. 
  • Die Noch-Abonnenten sind interessiert an den Inhalten und höchstwahrscheinlich schon Kunden. 

Auch wenn die Unternehmen bei der reduzierten Abonnentenzahl jetzt stark verbesserte KPIs bezüglich des E-Mail-Newsletters sehen und davon ganz begeistert sind - es hilft ihnen strategisch nicht weiter, wenn es darum geht, über diesen kostengünstigen Kanal Kunden zu gewinnen, zu binden und Umsatz zu erzielen.

Ganz klar sollte man aber doch eines kritisch hinterfragen: Ist da nicht noch ein gewaltiges Optimierungspotential, wenn mein E-Mail-Newsletter für sagen wir einmal 70% der Abonnenten komplett irrelevant ist?

Es geht darum, es zukünftig besser zu machen. Und dabei folgenden Kernfragen zu stellen:

  1. Wie schaffe ich es, erfolgreich neue Abonnenten zu gewinnen? 
  2. Wie optimiere ich meinen Newsletter weiter, um gewonnene Abonnenten nicht nur zu halten, sondern auch Umsatz daraus zu generieren?

 

PS. Aufgrund der großen Nachfrage ist das Thema 'Erfolgreiches E-Mail-Marketing' auch ein eintägiger Workshop im Rahmen der Summer-Academy zum Schwerpunkt Conversion ab 24. Juli in München. 

 

Wie starte ich ein Omnichannel-Projekt?

Kennen Sie das? Diese Begriffe, die doch immer bei vielen Gesprächspartnern Sorgenfalten auslösen? Mach meiner Erfahrung gehören dazu: Omnichannel oder Crosschannel und zentrales CRM dazu. Woran liegt das? An der gefühlten Komplexität dieser Themen.

Folgende Punkte sind wichtig in diesem Zusammenhang:

  • Auch Rom wurde nicht an einem Tag gebaut. 
  • Der Kunde erwartet vernetzte Kanäle. Ohne wenn und aber.
  • Wer sich nicht auf den Weg macht, wird das Ziel nie erreichen.

Es geht also darum, das Ziel vor Augen zu haben und in kleinen Schritten mit überschaubaren Projekten zu starten. Das sind die 7 Punkte, die für den Erfolg von Beginn an ganz entscheidend sind:

 7 punkte fuer eine erfolgreiche omnichannel strategie

Um Ansätze aufzuzeigen und Ideen zu geben: Etailment.de hat gerade einen Artikel veröffentlicht, in dem der Crosschannel-Ansatz der Hema-Supermärkte, einem Unternehmen der Alibaba-Gruppe in China, beschrieben wird. Viel Spaß beim Lesen!

E-Grocery - das nächste große Ding?

 E-Grocery am Tipping Point?

Lebensmittel und Einrichtung - diese Branchen werden als die zwei nächsten großen Bereiche der Digitalisierung gesehen. Als erstes konzentriere ich mich heute auf die Lebensmittelbranche. 

Ich starte mit drei Thesen:

  1. Die Geschwindigkeit, mit der E-Grocery wächst, wird von vielen Marktteilnehmern unterschätzt. 
  2. Wie in anderen Industrien auch: Firmen aus fremden Branchen kommen als neue Konkurrenten in den Lebensmittelbereich.
  3. Es geht um Daten. Führende E-Commerce-Plattformen werden auch im Lebensmittelbereich eine starke Position einnehmen. 

Die Lebensmittelbranche wächst rasant. Viele Anzeichen belegen, dass der Tipping-Point erreicht ist - die Dynamik nimmt stark zu. Während der stationäre Handel vielleicht um 3% wächst, sieht man im Online-Bereich Steigerungen von 30%-50%.

In Deutschland hat die Online-Distribution zurzeit nur einen Marktanteil von 1-2%, in Korea liegt dieser Anteil inzwischen bei 17%. Und auch die Entscheidung von Lidl, sich erst einmal wieder mehr auf die Läden zu konzentrieren, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass andere sehr aktiv sind: Rewe, Edeka, Real - sie alle tätigen große Investitionen, um ihren Teil des Kuchens zu bekommen. 

Wie aufmerksam das Thema auch an den Börsen gesehen wird, zeigt folgendes Beispiel: Die Bekanntgabe von Amazon, die Supermarkt-Kette Whole Foods mit über 400 Läden zu übernehmen, setzte die Aktienwerte der Lebensmittelhändler international stark unter Druck. Man kann es auch so sehen: wenn Amazon kräftig in einem Bereich investiert, sieht das Team um Jeff Bezos dort ein großes Potential. Und das führt zu einer Verschärfung des Wettbewerbs.

Wird Amazon auch erfolgreich im Bereich Lebensmittelhandel sein? Vieles spricht dafür:

  • Das Unternehmen hat das notwendige Kapital zur Investition.
  • Mit der Akquisition von Whole Foods verfügt Amazon über eine exzellente Basis für eine regionale Logistik in den USA, Kanada und Großbritannien. Zudem wird schnell weiteres Wissen aufgebaut.
  • Amazon hat Daten und kann so weiter extrem kundenorientierte Lösungen entwickeln. Hier sind sie weit führend vor anderen.

Ich sehe Amazon als starken Player. Das Spiel ist aber noch nicht entschieden. Frische Lebensmittel bringen eine große Komplexität und die letzte Meile gewinnt an Bedeutung. Ich bin überzeugt davon, dass jetzt die Zeit ist, um sich in Position zu bringen, um zu lernen, um sich vorzubereiten.

Als positives Beispiel in Deutschland sehe ich hier die Supermarktkette Feneberg, ein innovatives Familienunternehmen mit 70 Standorten in Süddeutschland. Die Geschäftsführung hat vor einigen Monaten dazu entschieden, Amazon Prime Now als Plattform zu nutzen. Und das, obwohl Feneberg bereits im Online-Vertrieb aktiv ist. Die Begründung: Sie wollen und müssen das Geschäft schneller und besser verstehen als sie es mit ihrer eigenen Plattform können. Dieser Ansatz ist mehr als eine strategische Entscheidung. Er spiegelt eine Kultur und eine andere Denke wieder. Und mit dieser Denke hat Feneberg bereits jetzt schon einige Mitbewerber überholt. 

 

 

Neugierig auf zwei Schlüsselfragen?

 Fokus - der Schlüssel zum Umsatzerfolg

Es ist ein paar Wochen her. Ich habe einen Workshop mit dem Management-Team eines Touristik-Unternehmen. Die Zahlen sind gut, obwohl man den Einfluss der großen Online-Player spürt. Man selbst hat ein Digitalisierung-Projekt gestartet, der Schwerpunkt liegt aber noch in anderen Bereichen.

Das Ziel des Tages ist es, Prioritäten, Pläne und den Fokus für das kommende Jahr festzulegen. Gerade auch in Bezug auf die Digitalisierung. 

Zu Beginn stelle ich zwei Fragen an die teilnehmenden Führungskräfte:

  1. Wo sehen Sie Ihren Job in 5 Jahren?
  2. Stellen Sie sich vor, Sie hätten 1 Million € zur Verfügung - wo würden Sie diesen Betrag geschäftlich investieren?

Die Antworten gehen im Kern alle in die gleiche Richtung:

  • Alle sehen, getrieben durch die Digitalisierung, weiterhin große Veränderungen auf sich und ihre Arbeitsbereiche zukommen.
  • Alle Anwesenden würden in Ideen aus dem Online- oder Digital-Bereich investieren.
  • Ein Teilnehmer bringt es auf den Punkt: 'Wenn ich mir unsere Aussagen anschaue, ist es vollkommen klar, worauf wir uns konzentrieren müssen. Warum haben wir eigentlich bisher so viel Zeit damit verbracht, unsere Kirchtürme zu verteidigen?'

Genau diese Aussage ist der Startschuss für spannende Diskussionen mit einem starken strategischen Fokus. Es geht um Wettbewerb, künftige Ausrichtung, Siegen und Wachstum. Nur ganz wenig um Besitzstandswahrung. Um am Ende des Tages steht es: das Gerüst für die Ziele und Schwerpunkte des Folgejahrs.

Sie ahnen es - ich muss jetzt eine Frage stellen: Was meinen Sie: Wie antworten Ihre Kollegen, wenn Sie Ihnen diese zwei Fragen stellen?

 

 

 

Fernab der Digitalisierung - wo gehts denn hier zum Shopping-Erlebnis?

 Wie entwickelt sich der stationäre Handel in den Innenstädten?

Wie kann der lokale Einzelhandel überleben? Wie kann man es schaffen, die Fußgängerzonen in den Innenstädten wieder zu beleben? Dieses Thema beschäftigt nicht nur mich. Und genau aus diesem Grunde schreibe ich in diesen Artikel, wie es nicht geht.

 Eine Warnung gleich vorweg: dieses ist ein sehr persönlicher Bericht. Aber: er entspricht zu 100% der Wahrheit. 

Ich weiß eigentlich auch nicht, was mich geritten hat an einem Samstag Nachmittag in die Münchner Innenstadt zu gehen. Vielleicht die Neugierde auf ein Experiment? Untertitel: die Suche nach dem Erlebnis Shoppen!

Ich starte in einem großen deutschen, pardon: österreichischem Kaufhaus mit angegliedertem Sporthaus. Klar ist: Erlebnis Outdoor sieht definitiv anders aus. Aber vielleicht werde ich ja trotzdem fündig? Auf der Suche nach einer spezielle Hose der Marke Icebreaker. Die Verkäuferin erklärt mir wortreich, dass sie diese schon kenne, aber der Einkauf hat entschieden, dass ... Ich breche hier einmal ab.

Als nächstes: ein großes deutsches Sporthaus (ja, dieses Mal wirklich deutsch). Beim Betreten des Ladens beschleicht mich mal wieder das Gefühl: hier möchtest Du eigentlich gar nichts kaufen. Hat sich hier irgendjemand auch nur ansatzweise mit Konsumpsychologie beschäftigt? Ich beginne meine Odysee: Icebreaker Hosen - entweder in der zweiten oder dritten Etage. In der dritten Etage: 'Wissen Sie, ich war gerade im Urlaub, und die räumen hier immer um. Schauen Sie doch einmal in der zweiten Etage.' In der zweiten Etage frage ich an der Kasse nach: 'Immer geradeaus und dann rechts an der Wand.' Was jetzt kommt, ist kein Witz, sondern bittere Wahrheit: genau an dieser Wand finde ich keine Hosen, sondern ... Eispickel. Okay, sicher kennt auch nicht jeder der Leser die Marke Icebreaker, aber ich befinde mich im sogenannten Sportfachhandel. Und bin einfach nur fassungslos!

Wie endet dieser Nachmittag? Indem ich mich wirklich noch auf den etwas längeren Weg in den Laden 'für neue Horizonte' begebe. In eine Umgebung, in der ich das Erlebnis Outdoor spüre, kompetente Experten finde (die vieles aus der eigenen Praxis kennen) und mal wieder mehr kaufe, als ich eigentlich geplant habe.

Ich bin davon überzeugt, dass der E-Commerce weiter wächst, aber auch Innenstadt-Konzepte mit digitalen Konzepten können Teil der Zukunft sein. Die Läden in den Innenstädten müssen sich nur (leider) ebenso wie die Kollegen im E-Commerce an den Selektionskriterien des Kunden messen lassen. Und eines der zentralen ist: Relevanz. Relevanz bedeutet Wert, bedeutet Mehrwert! Und solange diese Mehrwerte im stationären Einzelhandel nicht ausgespielt werden, hat dieser aufgrund fehlender Relevanz keine Überlebenschance. Und im Auge des Kunden auch keine Überlebensberechtigung. 

 

Künstliche Intelligenz ist kein Wahlfach

Wohin wir auch schauen - überall stoßen wir in den Medien auf das Thema künstliche Intelligenz. Wie wichtig ist das Thema? Ich denke, es ist eines der Themen, an denen keiner in der Wirtschaft vorbeikommt. Die FVW, die größte touristische Fachzeitschrift, hat mich um einen Kommentar gebeten. Nachfolgend der Artikel.

Konzept für Glücksgefühle

 Schlangen vor einem Laden von Søstrene Grene

Schlangen vor einem Laden von Søstrene Grene

'Time you enjoy wasting is not wasted.' Das ist der Leitspruch der Interior- und Lifestylekette Søstrene Grene, einem ungewöhnlichen Ladenkonzept mit rasanten Wachstumsraten.

Ladenkonzept? Wie soll das denn funktionieren? Weniger Kunden in den Innenstädten, die Warenhauskette Strauss macht dicht, Bulters meldet Insolvenz an, Onlineanbieter gewinnen an Marktanteil. 

Søstrene Grene zeigt, dass es geht. Wie es geht! Gegründet in Dänemark im Jahr 1973 ist das Konzept der Inbegriff des skandinavischen Designs. Mit inzwischen mehr als 140 Geschäften in Skandinavien, Großbritannien, den Niederlanden, Spanien, Frankreich, Japan. Und seit Juni 2016 in Deutschland. Inzwischen ist Søstrene Grene hier mit zehn Läden vertreten. Erst Ende April hat der bisher größte Shop in der Hamburger Innenstadt aufgemacht, im Mai 2017 findet die nächste Eröffnung statt - in Berlin.

Was ist das Erfolgskonzept?

Hochwertige Produkte zu günstigen Preisen mit begrenzter Verfügbarkeit

Søstrene Grene verkauft hochwertige, schöne Interior- und Lifestyle-Produkte zu günstigen Preisen. Wöchentlich kommen neue Kollektionen. Und diese sind nicht von der Stange. Gute Basisprodukte aus möglichst natürlichen Materialen werden ‚besser gemacht’, zum individuellen Produkt von Søstrene Grene gemacht. Ganz entscheidend: Kein Artikel wird identisch nochmals aufgelegt. Das Sortiment lebt von der begrenzten Verfügbarkeit und der immer neuen Überraschung. 

100% Verkauf über Ladengeschäfte, die das Einkaufserlebnis schaffen

Keines der Produkte ist online zu kaufen, sondern nur in den heimeligen Läden. Und diese sind einfach schön! Schön dekoriert mit schönen Produkten in schönen Farben in schöner Atmosphäre. Einkaufen wird zum Erlebnis. Und so erreicht Søstrene Grene eine Kundenfrequenz und eine Conversion-Rate, von der andere nur träumen.

Extremer Kundenfokus

95% Der Kunden in den Läden des dänischen Unternehmens sind Frauen. Und diese werden über alle Sinne mit den für sie passenden Produkten angesprochen. Und dass die Produkte stimmen, zeigt folgende Beobachtung: fast niemand verlässt den Laden ohne einen Kauf.

Emotionale Kundenansprache

Bereits seit der Gründung im Jahre 1973 nimmt Søstrene Grene die Kunden mit in die Welt der zwei alternden Schwestern. Es ist dieGeschichte von Anna und Clara. Mit ihren Werten und Vorstellungen. Dem Gefühl für Ästhetik, die Freude und der Vorliebe für gemütliche Erlebnisse zu schaffen. Und esgefällt den Schwestern, die Kunden in ihrer wunderbaren Welt der Kreativität und Freude zu überraschen und zu begeistern.

Die Läden passen in unsere Zeit. In eine Welt, in der wir vielleicht vieles Unschöne durch ein schönes Zuhause ausblenden möchten. In der uns die Digitalisierung zum DIY treibt (ja, hier ist Søstrene Grene dann doch digital – mit schönen DIY-Anleitungsvideos).

Die wichtigsten Erkenntnissen sind aber eigentlich folgende:

·      Der Kunde wählt nicht per se einen Kanal. Wenn er sich aber entscheidet, möchte er das
Gefühl haben, dass ihm ein Mehrwert geboten wird.

·      Bei einem nicht durchdachten Konzept funktioniert überhaupt kein Kanal. Technik ist immer nur Mittel zum Zweck. Und auch Omni-Channel kann kein schlechtes Produkt retten.

Und zum Abschluß vielleicht das Wichtigste: Es geht um die Story. Und da ist Apple nicht das einzige Unternehmen, dem dieses gelungen ist. Vielleicht tun wir uns in Deutschland teilweise etwas schwer damit. Oder meinen, unser Kunde möchte alle Informationen kurz und kompakt. Nein, auch der deutsche Kunde liebt Bilder und Geschichten. Und dafür stellt er sich sogar in eine Schlange vor einen Laden. Für ein Produkt, von dem er eigentlich noch gar nicht weiß, dass er es kaufen möchte. 

zur Website von Søstrene Grene

Omni Channel in der Praxis

Omni Channel, das ist das große Ziel und die Hoffnung von vielen Retailern. Doch wie funktioniert es, dem Kunden das zu liefern, was er erwartet: ein Einkaufserlebnis ohne Bruch! 

Ein Unternehmen, welches in dieses Thema wirklich tief eingestiegen ist, ist Rebecca Rimkoff, ein internationales Fashion Retail Konzept. Die Kernfrage war: wie schaffe man es, für die Kundin interessanter (sprich: relevanter) zu sein, sie optimal zu beraten und dabei die Neuigkeiten vorzustellen? Unter Nutzung und Analyse umfangreicher CRM-Daten. Und zwar über alle Kanäle und alle Medien. Für mich geht es hier um viel mehr als um Verkaufen. Es geht um Erlebnis und top Service vom Kunden her gedacht! Unterstützt mit innovativer Technologie. Sehen Sie selbst in diesem Video!